27. Januar – Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

27. Januar 2012 von Renate Pohl

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Heute, am 27. Januar 2012 jährt sich die Befreiung des “Konzentrationslagers” Auschwitz durch die Rote Armee zum 67. Mal.

Auschwitz steht symbolhaft für den Völkermord und die Millionen Menschen, die vom Nazi-Regime verfolgt und umgebracht wurden.

Das Protokoll der Wannseekonferenz gilt als Schlüsseldokument für die Organisation des Völkermordes.

2005 erklärten die Vereinten Nationen den 27. Januar  zum internationalen Holocaust-Gedenktag.

Es ist erschreckend, dass der Begriff ‘Auschwitz’ heute jedem 5. jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren nicht geläufig ist, wie aus einer Umfrage hervorgeht.

“Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch!”

(Bertolt Brecht, Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui)

deshalb

Befremdliches Urteil zum Maßregelvollzug

18. Januar 2012 von Renate Pohl

“Das Bundesverfassungsgericht hat heute ein befremdliches Urteil verkündet. In dem besonders sensiblen Bereich des Maßregelvollzugs, in dem die Einsitzenden aufgrund ihrer Erkrankung regelmäßig zusätzlichen Einschränkungen ausgesetzt sind, haben ökonomische Zweckmäßigkeitserwägungen keinen Platz”

weiterlesen hier

zur Pressemeldung des Bundesverfassaungsgericht

was 2013 unter anderem auf uns zu kommt

17. Januar 2012 von Kornelia Löw

hier mal für alle Interessierten ein  Link, der sicher zum Nachdenken anregt

Thema Schuldenfond

Zorn, Scham und Trauer

17. Januar 2012 von Kornelia Löw

Pressemitteilung der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
17.01.2012,
Zorn, Scham und Trauer – Erklärung des Parteivorstandes und der Fraktion DIE LINKE zum 70. Jahrestag der Wannseekonferenz
Am 20. Januar 1942, vor siebzig Jahren, wurden in Berlin-Wannsee die organisatorischen Grundlagen für die vollständige Vernichtung der Jüdinnen und Juden Europas festgelegt. Die industrielle Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden ist und bleibt ein unfassbares Menschheitsverbrechen, mit nichts in Geschichte und Gegenwart gleichzusetzen.

Zorn, Scham und Trauer erfüllen uns, die Nachgeborenen, angesichts der Tatsache, dass es den Nazis gelungen war, die deutsche Gesellschaft zu einem Teil der Organisierung des Massenmordes zu machen. Die Deutsche Bahn und Fuhrunternehmen haben den Transport in die Todesfabriken organisiert und durchgeführt. Wehrmacht, Polizei, SA und SS trieben die Menschen zusammen, Mediziner planten die Vernichtung und wirkten daran mit. Richter und Rechtsanwälte rechtfertigten die Vernichtung und nahmen aktiv am Raub jüdischen Vermögens teil. Großkonzerne und Banken schlugen zusätzlichen Profit aus dem System “Vernichtung durch Arbeit”. Unternehmen wie Degussa, Siemens und die Deutsche Bank, IG Farben oder Thyssen und Krupp profitierten aus Elend und Tod, sogar aus der Vernichtung selbst.

Zorn, Scham und Trauer erfüllen uns auch angesichts der Tatsache, dass der Umfang und die Brutalität der Nazi-Verbrechen über Jahrzehnte in der Bundesrepublik Deutschland eher verschwiegen und verharmlost wurden. Ganze Bereiche der bundesdeutschen Gesellschaft wurden vor dem Hintergrund des Ost-West-Konflikts pauschal von ihrer Verantwortung freigesprochen. Es dauerte lange, bis Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter entschädigt wurden, ehe die Justiz Nazi-Verbrechen verfolgte, und noch länger wurde die Existenz von “furchtbaren” Richtern und Anklägern verschwiegen. “Wir haben nichts gewusst, und wir konnten nichts tun” – diese Ausflüchte bestimmten über Jahrzehnte vor allem in Deutschland West das öffentliche Bewusstsein. Bis heute steht die Aufarbeitung der Verstrickung in Nazi-Verbrechen in großen gesellschaftlichen Bereichen, von Ministerien und staatlichen Behörden, von Banken und Großkonzernen aus. Der Schoß, aus dem das kroch, bleibt fruchtbar noch, das erleben wir angesichts der rechten Terrormorde in diesen Tagen.

Zorn, Scham und Trauer empfinden wir auch, weil Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern gegen die Nazi-Verbrecher der ihnen zustehende Respekt und die Anerkennung oft und zu lange versagt wurden. Wir erinnern an mutige Juristen wie den hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der Auschwitz vor Gericht brachte. Wir danken Beate und Serge Klarsfeld für ihr Engagement, auch für die Ohrfeige an Ex-Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger. Diese Ohrfeige war die Antwort auf das moralische und politische Versagen, Schuld einzugestehen. Sie galt nicht nur der konkreten Person, sondern einer politischen Klasse, die sich nicht mit ihrer Verantwortung und ihrem Versagen auseinandersetzen wollte. Wie in Yad Vashem die Mauer der Gerechten an die Namen und Taten derjenigen erinnert, die Widerstand leisteten, ist solch eine Erinnerung in Deutschland nötig. Es ist gut, dass das Holocaust-Mahnmal in Berlin errichtet wurde.

DIE LINKE wird überall Faschismus, Rassismus und Antisemitismus anprangern, ohne Ausnahme. Gerade angesichts des rechten Terrors in unserem Land bekräftigen wir: Faschismus ist keine Meinung, Faschismus ist ein Verbrechen! Das gilt überall, in unserem Land und in Europa. Das Menschheitsverbrechen der Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden bestimmt auch unser Verhältnis zum Staat Israel. Wir verstehen, dass sich die Vereinten Nationen angesichts der Verfolgung und Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden und der Unfähigkeit und Unwilligkeit vieler europäischer Länder, ihnen zu helfen, für die Gründung des Staates Israel entschieden haben. Wir wollen das, was wir tun können, leisten, um dazu beizutragen, dass Israel Seite an Seite mit einem lebensfähigen palästinensischen Staat im Nahen Osten ein Beispiel für Aussöhnung setzt.

Nur wer sich erinnert und Schlussfolgerungen zieht, will aus der Geschichte lernen.

Wir haben es satt!

17. Januar 2012 von Renate Pohl

Wir haben es satt! Wir wollen Bauernhöfe statt Agrarindustrie

Die wachsende soziale Ungleichheit spiegelt sich auch in der Ernährungssituation wider. Laut Studien ernähren sich Menschen mit niedrigem Einkommen schlechter als Reiche, was sich auch in einer durchschnittlich niedrigeren Lebenserwartung niederschlägt..

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Ohne Lohnerhöhungen droht Rezession

15. Januar 2012 von Kornelia Löw

Pressemitteilung der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

11.01.2012, Michael Schlecht
Ohne Lohnerhöhungen droht Rezession
“Die Gefahr einer Rezession ist real, darüber darf das Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent im vergangenen Jahr nicht hinwegtäuschen. Ob es tatsächlich zu einem Einbruch kommt, hängt davon ab, ob es gelingt, massive Lohnerhöhungen und ein Zukunftsprogramm durchzusetzen”, kommentiert Michael Schlecht die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes zur wirtschaftlichen Entwicklung 2011. Der Chefvolkswirt der Fraktion DIE LINKE weiter:

“Das durchaus beachtliche Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent im gesamten Jahr 2011 verstellt den Blick auf die Realitäten. Erst im zweiten Quartal erreichte das Bruttoinlandsprodukt überhaupt wieder das Vorkrisenniveau. Das Statistische Bundesamt geht deshalb völlig zu Recht davon aus, dass es sich bei dem  relativ starken Wachstum in der ersten Jahreshälfte vor allem um Aufholeffekte handelte. Das gilt auch für die Exporte, die 2011 kräftig um 8,2 Prozent zulegten. Wegen der weltweiten wirtschaftlichen Abkühlung wird die Exportabhängigkeit Deutschlands in diesem Jahr jedoch zum Problem werden.

Um dem drohenden Abschwung entgegenzuwirken, ist daher eine Stärkung der Binnennachfrage unerlässlich. Dazu müssen massive Lohnerhöhungen in den anstehenden Tarifverhandlungen durchgesetzt werden. Zudem sollten ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohns von zunächst zehn Euro eingeführt, die Hartz IV-Regelsatz auf 500 Euro aufgestockt und ein Zukunftsprogramm für den sozial-ökologischen Umbau der Gesellschaft im Umfang von 125 Milliarden Euro jährlich aufgesetzt werden.”

Abfallentsorgung muss kommunale Aufgabe bleiben

15. Dezember 2011 von Kornelia Löw

Pressemitteilung der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag 14.12.2011,

Ralph Lenkert Abfallentsorgung muss kommunale Aufgabe bleiben “Das Zeitfenster, das sich nun geöffnet hat, muss genutzt werden, um weitere über die bisherige Kompromissformel hinausgehende Verbesserungen beim Abfallrecht zu erreichen”, erklärt der Abgeordnete der Fraktion DIE LINKE Ralph Lenkert, nachdem der Vermittlungsausschuss die Beratungen über das neue Abfallrecht auf einen noch unbestimmten Termin im neuen Jahr vertagt hat.

Lenkert weiter: “Eigentlich hätte das neue Abfallrecht bereits zum Jahresende 2010 verabschiedet sein sollen. Aber besonders die Frage nach den Zuständigkeiten bei der Abfallsammlung und -verwertung spaltete Länder und Bund. Das im Oktober im Bundestag verabschiedete Kreislaufwirtschaftsgesetz hätte eine Privatisierung durch die Hintertür ermöglicht. Im Bundesrat fand diese Position aber glücklicherweise keine Mehrheit. Zuletzt lag eine Kompromissformel vor, die heute jedoch im Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Regierung keine Mehrheit fand. Nun muss das Gesetz noch einmal grundlegend nachgebessert werden.

Die Aufgaben der Abfallentsorgung muss uneingeschränkt bei den Kommunen belassen werden. DIE LINKE fordert die Bundesregierung und insbesondere die FDP auf, ihre Blockadehaltung aufzugeben und endlich die kommunale Abfallentsorgung sicherzustellen.”

Artikel aus der “Junge Welt”

11. Dezember 2011 von Kornelia Löw

Programm umsetzen

Eine Partei ist keine Therapiegruppe: Fragen und Antworten zu Aufgaben der Linken

Von Gesine Lötzsch
Linke-Chefin Gesine Lötzsch am 21. Oktober auf dem Erfurter

Linke-Chefin Gesine Lötzsch am 21. Oktober auf dem Erfurter Parteitag
Foto: Reuters
Am Freitag kamen der geschäftsführende Bundesvorstand, Landeschefs, Fraktionsvorsitzende und das Präsidium des Bundesausschusses der Linken in Thüringen zur »Elgersburger Runde« zusammen. junge Welt dokumentiert leicht gekürzt ein Strategiepapier, das die Linke-Vorsitzende Gesine Lötzsch dort vorstellte.

Warum wird ein Mensch Mitglied der Partei Die Linke?

Fünf Millionen Menschen haben uns bei der Bundestagswahl 2009 gewählt. Um uns zu wählen, muß man nicht Mitglied unserer Partei sein. Warum reicht es vielen Menschen nicht, uns nur zu wählen? Warum wollen sie auch Mitglied unserer Partei sein? Es gibt zwei entscheidende Gründe: Erstens: Sie wollen die Gesellschaft, in der sie leben, zusammen mit Gleichgesinnten verändern. Zweitens: Sie möchten in dieser sich atomisierenden Gesellschaft irgendwo dazugehören. Sie brauchen eine politische Heimat. Sie brauchen Lebenssinn. Sie brauchen gelebte Solidarität. Wenn Mitglieder das Gefühl haben, daß ihre Partei die Gesellschaft nicht verändert und ihre Partei keine politische Heimat ist, dann ziehen sie sich aus der aktiven Arbeit zurück oder verlassen sogar die Partei. Eine Partei muß nicht nur ein lernendes, sondern auch ein handelndes System sein. Unsere Mitglieder wollen die Gesellschaft schon jetzt verändern und nicht auf die absolute Mehrheit der Linken in den Parlamenten warten. (…)

Was kann eine linke Bäckermeisterin oder ein linker Klempner in unserer Partei machen?

Angenommen ein Mensch möchte Mitglied unserer Partei werden, ohne Marx, Engels, Gramsci, Negri und Žižek gelesen zu haben. Was können wir diesem Menschen bieten? Eine Partei muß über Strategien, Theorien und Taktiken diskutieren, doch wenn die Partei auch darüber hinaus Identität stiften will, dann muß ein Mitglied in einer Partei auch einfach nur als politischer Mensch leben können. Wenn unsere Partei eine Oase der Solidarität in einer neoliberalen Wüste wird, dann brauchen wir keine Mitgliederkampagnen, dann kommen die Menschen aus eigenem Antrieb zu uns, um die Gesellschaft wieder solidarischer zu machen. Dazu muß eine Genossin oder ein Genosse in keinem Parlament sitzen. Solidarität kann jedes Mitglied an jedem Ort leben. Solidarität ist die stärkste Waffe gegen den grassierenden Neoliberalismus, gegen die Verwüstung unserer Gesellschaft.

Nehmen wir uns selbst ernst genug?

Wir haben in Erfurt mit 96,9 Prozent unser Programm beschlossen. Die Delegierten haben mit großer Intensität, Ruhe und Weisheit über sehr komplexe Fragen sehr verantwortungsvoll entschieden. Wenn wir jetzt unser Programm wirklich ernst nehmen, dann müssen wir uns selbst verändern. Wir fordern in unserem Programm mehr Demokratie. Die Menschen werden sehr genau hinschauen, ob wir selbst diesen Anspruch leben. Unsere Mitglieder werden zu Recht erwarten, daß sie in Entscheidungen der Partei stärker einbezogen werden. Wir dürfen die Probleme in unserer Partei nicht nur auf schlechte Kommunikation, die sicherlich verbesserungswürdig ist, reduzieren. Wenn die Mitglieder Beschlüsse der Partei nicht mittragen, dann kann es auch daran liegen, daß sie diese Beschlüsse nicht als ihre empfinden. Deshalb müssen wir unsere Mitglieder wieder ernster nehmen. Der Parteiapparat ist für die Mitglieder da und nicht umgedreht.

Wie wollen wir die Eigentumsfrage beantworten?

Ein zentraler Punkt in unserem Programm ist die Eigentumsfrage. Ist das eine Frage, deren Lösung wir der nächsten Generation überlassen wollen, oder wollen wir diese Frage schon heute beantworten? Wir müssen sie heute beantworten. Die aktuelle Krise, die gern von Neoliberalen als Staatsschuldenkrise bezeichnet wird, ist eine Verteilungs- und Eigentumskrise. Die herrschenden Eigentumsverhältnisse führen zu einer ungerechten Verteilung des Reichtums in Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt. Immer häufiger stoßen Menschen in ihrem Alltag auf die Eigentumsfrage. Warum ist der Strom so teuer? Warum steigen die Mieten in den großen Städten so stark an? Warum wird so viel Geld für den Krieg in Afghanistan ausgegeben und nicht für die Sanierung von Schulen und Universitäten? Nun werden wir nicht morgen die Stromkonzerne enteignen, eigene Wohnungen bauen und Kriege und den Export von Rüstungsgütern verbieten können. Aber wir können über solidarische Eigentumsformen nachdenken. Wir können Genossenschaften gründen, in denen die Genossen über ihre Miete selbst entscheiden. Dazu müssen wir aber unser Selbstverständnis ändern. Ein Mandat in einer Genossenschaft kann für unsere Partei genauso wichtig sein wie ein Mandat im Bundestag. Wir müssen unsere außerparlamentarische Arbeit wieder stärken und ihr größere Wertschätzung entgegenbringen. Sie ist nicht eine Ergänzung der parlamentarischen Arbeit, sondern eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung unseres Programms.

Wie können wir gemeinsam den sozial-ökologischen Umbau organisieren?

Die Landesverbände sind wahre Schatzkammern. Dort gibt es einen Schatz an Erfahrungen, den wir für die Umsetzung des Programms unbedingt heben müssen. Ich schlage vor, daß jeder Landesverband ein Referenzprojekt zur Umsetzung des Parteiprogramms entwickelt. Es könnte Referenzprojekte für Mindestlohn, gegen die Privatisierung von Krankenhäusern, Wohnungen, Theatern und kommunalen Betrieben geben. Es könnte Referenzprojekte im Kampf gegen Neofaschismus geben oder für europäische Partnerschaften beim Umweltschutz, Energienetzen oder der politischen Bildung. (…)

Wie wollen wir Solidarität leben?

Che Guevaras Satz »Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker« kommt mir in den Sinn, wenn ich an die aktuelle Europa-Krise denke. Die Linke in Deutschland ist die stärkste linke Partei in Europa. Linke aus ganz Europa schauen auf Deutschland und sind entsetzt. Nach dem Willen der Kanzlerin soll Europa deutscher werden. Mich fragen unsere Freunde in Europa: Was tut ihr dagegen? Tun wir zu wenig? Ja, wir tun etwas, aber nicht genug. Wir verfassen Papiere, starten Kampagnen, führen Konferenzen durch, aber wir fragen zu selten, welche Folgen diese Papiere, diese Kampagnen und diese Konferenzen haben. Wir müssen unsere eigenen Beschlüsse ernster nehmen. Eine Solidaritätserklärung ist schnell geschrieben. Doch folgt der Erklärung dann auch gelebte Solidarität? Wie können wir den Menschen in Griechenland, Portugal, Irland und Italien helfen, die unter dem Kürzungsdiktat der deutschen Kanzlerin leiden? Wir müssen über Che Guevaras Satz neu nachdenken, wenn wir ein solidarisches Europa wollen.

Warum steigt die Zustimmung zu unserer Partei in der Krise nicht?

Wir sind der festen Überzeugung, daß unsere Vorschläge zur Bewältigung der Krise richtig sind. Trotzdem legen wir in Umfragen nicht zu. Die Krise brummt! Die Herrschenden haben die Chancen der Krise genutzt, um Europa neoliberal umzubauen. Die Agenda 2010 wird exportiert, egal ob es die anderen europäischen Völker wollen oder nicht. Eine solche reaktionäre Revolution der europäischen Verhältnisse wäre ohne Krise undenkbar gewesen. Die Krise wird zur Sternstunde der Marktradikalen, das ist ein Treppenwitz der Geschichte. Warum gibt es dagegen in Deutschland kaum Widerstand? Es wird immer zur Entschuldigung gesagt, daß die Menschen in der Krise den Regierenden vertrauen und keine linken Experimente wollen. Genau da liegt unser Problem: Die Regierenden starten ein hochriskantes Experiment nach dem anderen. Der Umbau der Sozialsysteme ist ein unglaubliches Experiment mit sehr ungewissem Ausgang. Der Euro-Rettungsschirm ist ein Zwei-Billionen-Experiment, bei dem selbst die größten Experten nicht sagen können, wie es ausgeht. Die Linke will diese riskanten Experimente beenden! Die angeblich so altmodische Rentenversicherung hat sich als robuster und renditestärker erwiesen als die Riester-Rente. Wir sind die, die funktionierende solidarische Systeme vor der Zerschlagung retten wollen. (…)

Wie organisieren wir den Widerstand gegen die Marktradikalen?

Ich hatte auf dem Bundesparteitag in Erfurt in meiner Rede Stéphane Hessel und sein »Empört Euch!« zitiert. Wer das Buch genau liest, weiß, daß es Hessel nicht in erster Linie um Empörung ging. Er verwies auf den erfolgreichen Kampf der Résistance gegen den Hitler-Faschismus. Wir müssen uns heute fragen, warum war dieser Widerstand in Frankreich, in der Sowjetunion, in Italien oder in Griechenland gegen den Faschismus so stark. Dafür gibt es sicherlich sehr viele unterschiedliche Gründe. Ein wichtiger und häufig unterschätzter Grund war, daß an diesem Widerstand fast alle sozialen Schichten beteiligt waren. Der Résistance-Kämpfer Hessel fordert uns heute zum Widerstand auf, um das demokratische und soziale Europa vor den Marktradikalen zu retten. Wir müssen die Einsicht befördern, daß die gegenwärtige Politik für die übergroße Mehrheit der Menschen schwerwiegende Nachteile bringt und es eine Bürgerpflicht ist, sich gegen diese unsoziale und undemokratische Politik zur Wehr zu setzen.

Was können wir 2012 erreichen?

Die ganze Partei wird den Wahlkampf in Schleswig-Holstein ideenreich unterstützen. Dabei geht es wie immer um Landes- und Bundespolitik. Die Linke muß wieder in den Kieler Landtag! Auf dem Bundesparteitag im Juni werden wir über die Umsetzung des Parteiprogramms diskutieren, die Bundestagswahl strategisch vorbereiten und einen neuen Parteivorstand wählen. Einige Genossinnen und Genossen haben die Sorge, daß Personaldiskussionen in den nächsten Monaten die inhaltliche Arbeit überlagern könnten. Diese Sorge ist dann berechtigt, wenn wir weiter darüber fabulieren, wer mit wem kann und wer mit wem nicht kann. Doch eine Partei ist keine Therapiegruppe. Ich erwarte, daß Personaldiskussionen ganz eng mit Ideen zur Umsetzung des Programms verbunden werden. Der Parteitag muß letztendlich entscheiden, welche Genossinnen und Genossen dazu am besten in der Lage sind. (…)

TIBET

24. November 2011 von Kornelia Löw

Anfang November lief Palden Choetso aus ihrem Kloster, schüttete Benzin über sich und setzte sich in Brand, während sie nach einem ‘freien Tibet’ rief. Minuten später war sie tot. Im vergangenen Monat haben sich neun buddhistische Mönche und Nonnen selbst verbrannt, um gegen die zunehmende Repression Chinas gegen das friedliche Volk der Tibeter zu protestieren.

Diese tragischen Handlungen sind ein verzweifelter Hilferuf. Mit Maschinengewehren bewaffnete chinesische Sicherheitskräfte schlagen Mönche und lassen sie verschwinden, belagern Klöster und bringen sogar alte Menschen um, die die Klöster schützen wollen — all das, nur um Tibet jegliche Rechte zu verweigern. China begrenzt den Zugang zu der Region drastisch. Aber wenn wir wichtige Regierungen davon überzeugen können, Diplomaten in die Region zu schicken und die zunehmende Brutalität offenzulegen, könnten wir Menschenleben retten.

Wir müssen schnell Handeln — diese schreckliche Situation gerät hinter dem Mantel der Zensur außer Kontrolle. Immer wieder haben wir gesehen, dass Diplomaten zum Handeln angeregt werden und den politischen Druck erhöhen, wenn sie selbst Zeugen solcher Gräueltaten werden. Reagieren wir auf Paldens tragischen Hilferuf mit einer riesigen Petition an die sechs Weltpolitiker mit dem meisten Einfluss in Beijing, damit eine Mission nach Tibet entsandt wird und sie sich gegen die Unterdrückung aussprechen. Unterzeichnen Sie diese Notfall-Petition:

https://secure.avaaz.org/de/save_tibetan_lives/?vl

Die Tibeter ersticken unter Chinas eisernem Griff. Sie können ihre Religion nicht frei ausüben — schon das Herunterladen eines Fotos des Dalai Lama kann einen Tibeter ins Gefängnis bringen. Und es wird immer schlimmer: Mehrere Kolonnen chinesischer Truppen haben die größten Klöster blockiert und entführen Mönche in “patriotische Umerziehungs-Programme”. Diese schreckliche Situation gerät zunehmend außer Kontrolle.

Seit Anfang dieses Jahres haben sich elf Mönche und Nonnen selbst verbrannt und mit jedem Protest verstärkt China den Druck. Für Tibeter sind Selbstverbrennungen ein besonders schwerwiegendes Opfer, das das Ausmaß ihrer Verzweiflung offenbart. Sie glauben, dass Selbstmord einen verheerenden Einfluss auf den Kreislauf der Reinkarnation hat und man bis zu 500 Leben zurückgeworfen wird. Doch die Situation in Tibet ist so schrecklich, dass Mönche und Nonnen ihre Position im Kreislauf der Wiedergeburten aufgeben, in der Hoffnung auf internationale Kenntnisnahme und Freiheit für ihre Brüder und Schwestern.

Die chinesische Regierung lässt keine Journalisten oder Menschenrechtsbeobachter in die Region — Journalisten von Sky news und AFP wurden erst kürzlich zur Ausreise gezwungen. Diplomaten können jedoch Zugang beantragen und einreisen. Und wie wir erst vor kurzem im Fall von Syrien gesehen haben, sind sie der beste Weg, Augenzeugenberichte zu bekommen, China zu zeigen, dass die Welt auf China schaut und politische Gespräche auf höchster Ebene über die Menschenrechte von Tibetern zu beginnen.

Es liegt an uns, weltweit Alarm zu schlagen. Wenn wir die USA, Großbritannien, Australien, Indien, Frankreich und die EU dazu bewegen, jetzt eine Delegation zu entsenden, könnten sie China zum Handeln zwingen. Wir dürfen keine Zeit verlieren — unterzeichnen Sie diese Notfall-Petition:

https://secure.avaaz.org/de/save_tibetan_lives/?vl

Avaaz-Mitglieder haben Projekte unterstützt, die sich gegen die Mediensperre einsetzen und die Kultur und Religion Tibets unterstützen. Aber die gnadenlose Unterdrückung durch China eskaliert. Es ist an der Zeit, dass sich unser ganzes Netzwerk für diese friedlichen Menschen, die ihr Leben für Grundrechte opfern, einsetzt. Zeigen wir ihnen, dass die Welt sie nicht vergessen hat.

Voller Hoffnung und Entschlossenheit,

Emma, Iain, Dalia, Ricken, Diego, Shibayan, Giulia, und das ganze Avaaz-Team

Weitere informationen:

Selbstverbrennung aus Protest gegen China (Zeit)
http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-11/tibet-nonne-selbstverbrennung-2

Selbstverbrennungen von Mönchen: Neue Tibet-Politik gefordert (TAZ)
http://www.taz.de/Selbstverbrennungen-von-Moenchen/!81492/

Unruhen: Protest in Tibet: Nonne verbrennt sich (Focus)
http://www.focus.de/politik/ausland/unruhen-protest-in-tibet-nonne-verbrennt-sich_aid_681066.html

Tibetische Nonne verbrennt sich selbst (BBC, auf Englisch)
http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-15571017

Tibetische Nonne stirbt (Sky, auf Englisch)
WARNUNG: DIESES VIDEO BEINHALTET VERSTÖRENDE SZENEN
http://news.sky.com/home/world-news/article/16095074

Dalai Lama: ‘Kultureller Genozid’ hinter Selbstverbrennungen (BBC, auf Englisch)
http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-15617026

Studie zeigt Repression in tibetischen Gebieten Chinas auf (The New York Times, auf Englisch, mit Report von Human Rights Watch)
http://www.nytimes.com/2011/10/13/world/asia/study-points-to-heavy-handed-repression-of-tibetan-area-in-china.html

Ergänzung zur Veranstaltung mit Marjana Schott

07. November 2011 von Kornelia Löw
Pressemitteilung der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
07.11.2011, Kathrin Senger-Schäfer

Noch nicht mal ein Pflegereförmchen

“Was die Regierungskoalition nun im ‘Jahr der Pflege’ zustande gebracht hat, verdient nicht einmal die Beschreibung Pflegereförmchen.

Es ist eine Hiobsbotschaft für alle Betroffenen und offenbart die Unfähigkeit von Schwarz-Gelb, in Sachen Pflege etwas Konkretes im Sinne der Menschen auf die Beine zu stellen”, erklärt Kathrin Senger-Schäfer, pflegepolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, zu den Ergebnissen des gestrigen Koalitionsgipfels. Senger-Schäfer weiter:

Bei den pflegepolitischen Ergebnissen des Koalitionsgipfels ist das Kleingedruckte entscheidend: Der jetzt vereinbarte Einstieg in die Kapitaldeckung nach dem Muster der Riester-Rente bedeutet die Fortsetzung des Riester-Betrugs an der Bevölkerung und eine weitere Umverteilung von unten nach oben. Die Versicherungsunternehmen können auf ein ertragreiches Geschäft hoffen. Die Trennung von sozialer und privater Pflegeversicherung und die damit verbundenen Ungerechtigkeiten werden damit zementiert.

Die für 2013 geplante Beitragserhöhung um 0,1 Prozentpunkte bedeutet, dass mit Verbesserungen für Demenzkranke erst in über einem Jahr zu rechnen ist. Eine umfassende Umsetzung des neuen Pflegebegriffs wird es in dieser Wahlperiode ohnehin nicht mehr geben. Dass der ehemalige Beirat zur Umsetzung des Pflegebegriffs wieder eingesetzt werden soll, ist bloße Hinhaltetaktik. Die zusätzlichen finanziellen Mittel reichen für eine echte Umsetzung des Pflegebegriffs bei weitem nicht aus. Mehr Geld soll es hierfür offenbar auch in Zukunft nicht geben. Im Klartext bedeutet eine solche kostenneutrale Umsetzung des neuen Pflegebegriffs Leistungskürzungen bei allen Leistungsempfängern.”